Es ist an der Zeit, Schluss mit dem bisherigen Blabla zu machen und dieses ominöse Blog etwas investigativer zu gestalten. Dazu referiere (tolles Wort) ich heute über die im Titel genannten Schlagworte und deren Verwendung im Netz.
Da ich schon seit nunmehr fast 12 Jahren mit dem Internet zu tun habe (damals als “Tipper” für einen befreundeten Internetunternehmer) ist mir das “alte” Web 1.0 sehr wohl bekannt. Damals stellten Unternehmen Inhalte für Nutzer bereit, wie sie dies teilweise heute immer noch tun (z.B. auf redaktionellen Seiten wie die zahlreichen Online-Angebote der Zeitungsredaktionen).
Die Entwicklung hin zu immer flächendeckender verfügbaren breitbandigen Internetzugängen in den letzten Jahren machte Anwendungen möglich, die vorher gar nicht realisierbar waren. Hier sind z.B. Technologien wie AJAX und RSS oder die massenhafte Verbreitung von Medieninhalten zu nennen. Die dabei veränderte Nutzung und Wahrnehmung des Internet führte damit zum Erfolg der bekannten sozialen Software (Wikis, Blogs, Videoportale, Social Bookmarking-Portale), bei dem eben die Benutzer die Inhalte in überwiegenden Teilen erstellen und bearbeiten. Die Unternehmen stellen im Gegensatz zum “alten Web” nur noch die Plattform, jedoch nicht mehr deren Inhalte zur Verfügung.
Zu den Schlagworten des Web 2.0 gibt es im Blog von Markus Angermeier eine sehr umfassende TagCloud, die ich nun noch (ich entschuldige mich an dieser Stelle für die offensichtliche Zusammenhanglosigkeit zum unmittelbaren Kontext) nachreichen möchte:
Es ergibt sich eine Liste von Anforderungen an eine Web 2.0-Applikation: Nutzungsmöglichkeit über einen herkömmlichen Browser, dynamische Seitenerzeugung, Interaktionsmöglichkeit der Benutzer, Anlage eines “persönlichen Profils”, grafische Anpassbarkeit der Webseite und intuitive Bedienbarkeit.
Aber sind das nicht alles Punkte, die heute faktisch zu jeder Webseite gehören, die nicht unbedingt als Visitenkarte eines Unternehmens erstellt wird? Im Prinzip ist doch heute fast jeder Webauftritt, jedes “Produkt”, das in den Markt schreitet, ein weiteres Stück “soziale Software”. Ein Blog, ein Wiki, ein Browsergame. Liveshopping, Filehoster, Community oder Videoportal. Oder gibt es denn tatsächlich noch “andere” Webseiten?
Unverständlich bleibt mir daher, wieso gerade Unternehmen, die Ihr Geld eben mit der Entwicklung derartiger Webseiten den Begriff Web 2.0 dermaßen ungenau und unzutreffend verwenden. Doch gerade diese werben damit, dass man in ihrem Hause “Erfahrung mit dem Web 2.0″ habe oder man “PHP, ASP, ColdFusion und Web 2.0″ beherrsche.
Doch was ist denn diese “Erfahrung im Web 2.0″? Habe ich die als Nutzer von studiVZ, Flickr und Delicious nicht auch? Und haben Leute, die jegliche soziale Kompetenz durch die tägliche 16-stündige Anwesenheit im SecondLife verloren haben, diese nicht umso mehr? Und gehören Techniken wie AJAX und Scriptsprachen heutzutage nicht sowieso zum selbstverständlichen Handwerkszeug jedes Webdesigners?
Ich selbst werde mich jedenfalls hüten, mit derartig marktschreierischen Schlagworten zu werben, nur um die Aufmerksamkeit einer unwissenden Generation von Unternehmern, Produktmanagern und Marketingspezialisten zu erhaschen.
In diesem Sinne.
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viel erfolg!